Montag, 11. Oktober 2010
Bruno, der Tyrann
Ich mag Tiere. Egal, ob Katze, Hund, Pferd oder Kaninchen – ich finde sie alle toll. Sogar Spinnen mag ich und würde sie niemals erschlagen. Deswegen war es für mich auch selbstverständlich, auf den Hund einer Freundin aufzupassen, damit sie in den Urlaub fliegen konnte. Sie war wahnsinnig dankbar, denn ihre Eltern und ihr Bruder wollten den Kleinen nicht zu sich nehmen. Als Bruno, ein Langhaardackel, bei mir ankam, habe ich mich regelrecht auf die nächsten zehn Tage gefreut. Meine Freundin hatte mir Hundefutter, Hundehalsbänder, Hundeleinen und sogar Hundebücher mitgebracht. Es konnte also nichts schief gehen. Eigentlich. Denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass Bruno kein bisschen erzogen war. Er war nicht einmal stubenrein. Sein Geschäft machte er prinzipiell erst, nachdem wir vom Gassi gehen zurück waren. Da half es auch nicht, drei Stunden unterwegs zu sein. Außerdem liebt Bruno Schuhe – und natürlich gefielen ihm meine Lieblingsstiefel besonders gut, sodass ich sie nach seiner Behandlung in den Müll werfen musste.
Schon nach drei Tagen war ich absolut verzweifelt. Ich wusste jetzt, warum sich niemand anderes um Bruno kümmern wollte und verfluchte mich innerlich für meine Gutmütigkeit. In meiner Verzweiflung vereinbarte ich einen Termin mit einer Hundetrainerin, die zum Glück gleich für mich Zeit hatte. Auch sie staunte nicht schlecht, als ich ihr von Brunos Verhalten erzählt habe. Wir begannen sofort mit der Arbeit. Am Ende der zehn Tage hatten wir es tatsächlich geschafft, dass Bruno sein Geschäft draußen erledigte.
Meiner Freundin habe ich nach ihrer Ankunft erst einmal eine Standpauke gehalten und ihr geraten, weiter zur Hundeausbildung zu gehen. Sonst würde sie auf ihren nächsten Urlaub wohl verzichten müssen.
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